Ein außergewöhnlicher Aufstieg
VOL.AT - Konstantin Waibel, 16.12.2025
©Privat/Paulitsch/VN
Ein Jahr im Kart und schon Vize-Meister: Emanuel Drexel hat 2025 im deutschen Kartsport für Aufsehen gesorgt. Der 12-jährige Hohenemser avancierte in Rekordzeit zu einem der stärksten Nachwuchsfahrer der German Karting Series.
Wenn Emanuel Drexel auf das Jahr 2025 zurückblickt, tut er das mit strahlenden Augen. "Nie im Leben hätte ich damit gerechnet“, sagt der 12-Jährige. Was als spontaner Ausflug auf eine Kartbahn in Rumänien begann, führte nur ein Jahr später zum Vizemeistertitel in der German Karting Series (GKS).
Im Gespräch mit VOL.AT blickt Emanuel Drexel auf ein aufregendes Jahr zurück. ©Paulitsch/VN
Achterbahnfahrt der Gefühle
Bei der Motorshow in Essen nahm er seine Auszeichnung entgegen, ein Moment, der für den 12-Jährigen kaum größer hätte sein können. Bei einem seiner ersten Besuche auf der Kartbahn wurde der Hohenemser zufällig entdeckt. Ein kurzer Blick eines Motorsport-Insiders reichte und am Ende führte er zu seinem Platz bei Ebert Motorsport, einem der stärksten Nachwuchsteams im deutschen Kartsport. Parallel besucht er das Privatgymnasium Mehrerau in Bregenz, wo der Spagat zwischen Unterricht und Rennwochenenden längst zu seinem Alltag gehört.
Im November 2024 saß er erstmals in einem Kart, ohne Routine, ohne vorher in regionalen Serien gestartet zu sein. Doch gleich in seiner ersten Rennsaison setzte er beim Westdeutschen ADAC Kart Cup (WAKC) in Kerpen mit Platz fünf ein erstes Ausrufezeichen. In der German Karting Series folgten Podestplätze in Liedolsheim und erneut in Kerpen sowie solide Top-5-Resultate. "In Kerpen war ich richtig gut drauf und fuhr starke Zeiten“, blickt er auf sein Lieblingswochenende zurück.
Sein rasanter Aufstieg blieb nicht unbemerkt. Im belgischen Marienburg etwa suchte der Moderator zunächst vergeblich nach Infos über den "Österreicher mit der Nummer …“. "Sie kannten ihn einfach nicht“, erinnert sich sein Vater Bernhard. Doch das änderte sich rasch: Mit jedem Rennen wurde klarer, dass dieser Junge ein großes Talent hat.
Stolz präsentiert Emanuel seinen Pokal. ©Paulitsch/VN
Emanuel spricht offen über seine Anfänge: "Beim ersten Mal wusste ich nicht, wie das abläuft.“ Doch der Funke sprang sofort über. "Ich habe gemerkt: Ich liebe das. Geschwindigkeit und Wettkampf, das sind meine Welt.“ Auch Emotionalität gehört dazu. "Wenn etwas kaputtgeht, kommen bei mir oft die Tränen.“
Die Familie als Rückgrat
Rückschläge blieben nicht aus, doch Emanuel fand seinen Weg, damit umzugehen. "Mama und Papa beruhigen mich immer, sie sind meine größten Fans.“ Mit jedem Start gewann er Sicherheit, Routine und Selbstverständlichkeit.
Das Rennfahren ist die große Leidenschaft von Emanuel Drexel.
Hinter Emanuels Aufstieg steht ein Team, das ihn trägt. Sein Vater ist Mechaniker, Organisator und Motivator. "Im Kartsport gibt es kaum Sponsoren. Man muss vieles selbst stemmen“, erklärt er. Die Drexels reisen Wochenende für Wochenende quer durch Europa, mit unerschütterlicher Entschlossenheit. "Wer vorne mitfahren will, muss bereit sein, alles zu geben“, sagt Vater Drexel.
Abseits der Strecke hilft Emanuel gerne beim Schrauben oder geht mit der Familie Skifahren. Seine größten Vorbilder: Niki Lauda, Jochen Rindt und Max Verstappen.
Der Blick nach vorn
Für kommende Saison hat er ein klares Ziel: "Wenn du Vizemeister geworden bist, willst du den Titel holen“, erklärt er selbstbewusst. Langfristig träumt er von Le Mans: "Wenn ich beim 24-Stunden-Rennen dabei sein könnte, wäre das etwas Besonderes.“ Sein Vater ergänzt: "Wenn er den Sprung vom Kart ins Auto schafft, wird es spannend. Vorerst geht es aber darum, mit jedem Rennen zu lernen und Erfahrung zu sammeln.“
Veröffentlichung mit Genehmigung von VOL.AT.
© Text: Konstantin Waibel / VOL.AT
© Bilder: Paulitsch / VN